Samson

Eines lauen Sommerabends,  zur  Zeit der   Führerscheinanmeldungen  vor Beginn des theo- retischen Unterrichts, lümmelte ich an meinem Schreibtisch.  Während ich liegengebliebene Karteikarten auf den neuesten Stand brachte,  konnte ich beobachten, wie ein farbiger Riese vor meiner Fahrschule auf  und  ab  schlenderte.  Versteckt schielte er dabei ein ums andere Mal in meine Richtung.  Erst nach etwa   zwanzig Minuten der Unschlüssigkeit fasste er sich ein Herz und  steuerte  schnurgerade  auf  den  Eingang zu.  Beim  Betreten  der Fahrschule musste er sich bücken, denn die Tür hatte nur die genormten Maße. Er stolperte etwas unbe- holfen herein und strahlte mich dabei mit seinen unglaublich weißen Zähnen an.

 "Ich Samson, ... need a driving licence", sagte er mit gebrochenem Englisch.

Ich  vernahm  diese weiche Stimme, die so gar nicht zu seinem  urigen Äusseren passte und erhob  mich ganz vorsichtig,  wohl wissend, dass ich trotz meiner knappen einsachzig immer nur ein Zwerg neben  ihm  bleiben  würde.  Ich streckte  ihm meine Rechte  entgegen, stellte mich als der Besitzer der Fahrschule vor und fragte ihn, überwältigt von seiner Größe:

"Ist das dein Name oder dein Pseudonym?"

 "Mein Name Samson", erwiderte er und zeigte mir noch einmal eine Reihe perfekter Zähne.

Vorsichtig bohrte ich weiter:

"Und wie heisst du noch?  Ich  brauche  auch  deinen   Familiennamen  für die notwendigen Formulare."  Dabei  deutete  ich  zu  einem  Stoss  Papierkram,  der sich zu meiner Linken auftürmte. Bestens gelaunt meinte  er: "Samson genug, alle rufen Samson."

 

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