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Nachdem wir das Umgewöhnungstraining beendet hatten, starteten wir zur Überlandfahrt. Dabei führte er sich wieder einmal auf wie
ein balzender Vogel. Er tänzelte mit der Ma- schine hin und her und beanspruchte dabei mehrmals den gesamten Fahrstreifen. Den rich- tigen
Sicherheitsabstand wollte er ebenfalls nicht konsequent einhalten. Manchmal schien es mir,
als würde er jeden Augenblick in den Auspuff meines Wagens kriechen. Zweimal musste ich an den Fahrbahnrand fahren und ihn ermahnen, endlich diszipliniert zu folgen, ansonsten habe er mit Konsequenzen meinerseits zu rechnen. Er nickte mir zu und ver- sprach hoch und heilig, meinem Wunsch zu entsprechen. Die Lachfältchen, die sich dabei in seine Augenwinkel gruben, waren mir allerdings nicht entgangen.
Den Gipfel der Frechheit leistete er sich wenig später auf freier Strecke, etwa 10 km vor der nächsten Stadt. Es traf mich völlig unvorbereitet. Tief beugte er sich
über die Maschine, um den Luftwiderstand zu verringern und überholte mich mit atemberaubender Beschleunigung. Den Motor drehte er dabei in höchste Regionen. Im Nu war er auf und davon, und
ich war vollkommen machtlos. Für mich war es unmöglich, mit diesem Geschoß Schritt zu halten. Ich kochte innerlich vor Wut.
Auf einem kleinen Rastplatz, unweit der Stadt, wartete er auf mich. Er hatte die 500'er abgestellt und sich seitlich
auf die Sitzbank gelümmelt. Aufreizend lässig ließ er eine Zigarette im Mundwinkel baumeln. Dabei grinste er mir frech ins Gesicht - doch das sollte ihm schnell vergehen. Meine Wut nur mühsam im Zaum haltend, baute ich mich vor ihm auf und teilte ihm mit, dass dies seine letzte Fahrstunde in meiner Fahrschule war. Idioten wie ihn gibt es reichlich auf unseren Straßen, da können wir auf einen weiteren Kopflastigen leicht verzichten. Aufgebracht erwiderte er: „Sag mal, bei dir tickts wohl nicht richtig?" Danach bewegten sich seine Lippen noch eine Weile, ohne dass etwas zu hören war. Ich wartete, bis er seinen Mund endgültig geschlossen hielt und machte ihn darauf aufmerksam, dass er mit dieser Bemerkung auch noch die Chance verspielt hatte, wenigstens mit dem Auto nach Hause fahren zu dürfen. Dann liess ich ihn stehen, setzte mir meinen Helm auf und zog meine eigenen Motorradklamotten an, die ich im Kofferraum des Wagens mitführte.
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