Fast wie im Zirkus Maximus

Alfons hatte längst das  fünfzigste  Lebensjahr  überschritten,  als er sich dazu ent- schloss,  das Autofahren zu lernen.  Er war sein  Leben  lang  Bauer gewesen und stammte aus einem kleinen Dorf, das sich malerisch in ein grünes Tal nahe unseres  Prüfortes  schmiegte.  Zu  den  Fahrstunden  erschien er  mit  dem  Traktor  oder manchmal mit dem  Pferdegespann,  wenn das Wetter und seine Zeit es zuliessen. Pferde und  Wagenlenken  waren seine grosse Leidenschaft.  Dazu spannte er ein paar Rösser vor den Karren und jagte querfeldein durch die Lande. Einmal verriet er mir: "Das ist fast wie im Zirkus Maximus."

Ich weiss leider nicht,  ob er auch heute noch in  diesem  Metier  aktiv ist.  Damals jedoch war er als Wagenlenker bei allen  einschlägigen  Veranstaltungen im In- und Ausland als Gegner gefürchtet und geachtet.

Bis jetzt benötigte er noch keinen Führerschein,  denn Traktorfahren genügte voll- kommen.  Doch nun war  es an der Zeit,  mit dem  Autofahren  zu beginnen,  man wurde ja schliesslich  nicht jünger.  Ausserdem  hatte er noch einiges vor in seinem Leben, und dazu brauchte er  nun mal den Führerschein.

Nie habe ich Fonse,  wie ihn nur ein kleiner,  ausgesuchter Haufen,  in den er mich nach der zweiten Fahrstunde aufnahm, nennen durfte, ohne seinen Filzhut, den ein übermächtiger Gamsbart zierte, gesehen. Er nahm ihn selbst zum Autofahren nicht ab und als ich einmal im Scherz zu ihm sagte:

"Irgendwann  nehme  ich dir deinen  Deckel  weg  und  schmeisse  ihn zum  Fens- ter hinaus", da knurrte er nur kurz, aber unmissverständlich: "Trau dich nur", und

 

Weiter im Text