Jasim, der Glücksritter.

Jasim war schon weit über vierzig Jahre alt,  als er zu mir kam,  um  den Führerschein zu machen. Er war einer jener Kandidaten,  die zur Prüfung  angemeldet  werden  wollten,  sobald sie das erste Mal ein Stück geradeaus  fahren  konnten.  Für  mich  war  es  sehr  nervenaufreibend,  ihn  immer wieder  davon  überzeugen  zu  müssen,  dass sein  Können  ihn noch nicht einmal unfallfrei  über einen Salzsee bringen würde. Er bestand aber weiter  beharrlich  darauf, zur Prüfung vorgestellt zu werden. Da er in der Folgezeit absolut keinerlei Fortschritte  mehr  machen  wollte,  tat ich ihm den Gefallen und meldete ihn zur Exekution an. Es war, als wollte er sich an einer Lotterie beteiligen, denn er sagte:

„Wer weiss, vielleicht ich gewinnen."

Als er dann bereits zum dritten Mal verloren hatte, haderte er lautstark mit dem Schicksal; ausgerechnet ihm musste es ständig so harte Schläge verpassen. Er tat das in eindrucksvoller Weise, und zwar im Auto, noch während der Prüfer hinten sass. Dieser Sachverständige hatte soeben mit einer nicht enden wollenden Aufzählung von Jasims Unsicherheiten abgeschlossen, als sich mein türkischer Freund nicht länger mit der Fügung abfinden wollte. Er war fest entschlossen, sein Geschick nun selbst in die Hand zu nehmen, das konnte man ihm ganz deutlich ansehen. Er drehte sich zum Prüfer und sagte mit belegter Stimme:

„Ich habe Idee. Du bei mir in Türkei Urlaub machen und nix dafür zahlen, du mir dafür Führerschein geben und ich auch nix zahlen."

„Ich mache immer in Italien Urlaub", antwortete unser Prüfer prompt, und man konnte Jasim augenblicklich seine Enttäuschung ansehen. Sie schien langsam ins Unermessliche zu wachsen, seine grüne Gesichtsfarbe zeugte davon. Als er all seine Felle davonschwimmen sah, raffte er sich noch einmal  zu einem letzten verzweifelten Versuch auf:

„Gut, dann ich zahlen, wieviel kostet Führerschein?"

Ohne Worte

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