Bevor ich an jenem Tag mit meinen Schülern in die Prüfung  ging,  sprach ich  zur Sicher- heit alle Zeichen, die ein Polizist geben kann, noch einmal durch. Am eindringlichsten ver- suchte ich aber am Schluss die Eselsbrücke: „Sieht man Brust oder Rücken, muss man auf die Bremse drücken", zu bauen.

Während ihrer Ausbildung war ihnen der Genuss einer solchen Konstellation verwehrt geblieben.

Wenn sich an einem Prüfungtag gewohnte Situationen einmal anders darstellen, dann stecken manche den ersten Schrecken gleich wieder weg. Andere aber bauen sich psychologische Barrieren wegen dieser veränderten Sachlage auf, die sie dann nicht überwinden können. Sie werden auf alle Fälle scheitern, wenn sie erst einmal damit konfrontiert sind. Sie schaffen es nicht, diese Hürde zu nehmen, sind dann ebenso hilflos wie der Frosch, der ins Maul der Schlange springt, obwohl er weiß, daß er davon  keinerlei Nutzen hat.

Von einer derartigen Blockierung war bereits früher eine meiner Schülerinnen betroffen. Während der gesamten Fahrstunden war es ihr hervorragend gelungen, mit der Handbremse selbst  an den steilsten Bergen anzufahren. Aber bei der Prüfung scheiterte sie an dieser, für sie so einfachen Übung. Wie sich später herausstellte, war ihre Mutter an derselben Stelle, bei uns Seufzerberg genannt, zweimal durchgefallen.

 Jetzt kann man sich auch ein Bild davon machen, woher der Name Seufzerberg kommt. Hier wurde so manche Träne vergossen.

 

Doch  zurück  zu Susi. Mit ihr fuhr ich an diesem  Prüfungstag  hinter einem anderen Pkw zum  Linksabbiegen  auf  die  Kreuzung zu, auf der ein Polizist seinen Dienst versah. Der Vordermann  hatte  ein  wenig  Vorsprung  und  deshalb  gelang  ihm gerade noch das Ab- biegen, bevor  der Polizeibeamte einen Arm steil in die  Höhe  streckte.  Das  wäre für uns

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