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Rund ein dutzend Jahre später - ich wohnte inzwischen längst nicht mehr in Frankfurt - rie- fen zwei Freunde an,
um mich zur Internationalen -Automobil-Ausstellung in die Main- metropole einzuladen. Wir verabredeten uns für das Wochenende, fuhren zusammen nach Frankfurt und hatten dort natürlich keine Chance, auch nur das kleinste Loch als Unter- kunft zu ergattern. Die ganze Stadt war wegen dieses alljährlichen Top-Ereignisses längst ausgebucht. Vollkommen erschöpft von der aufreibenden Quartiersuche erinnerte ich mich zu fortgeschrittener Stunde an meine
alte Freundin, die Pensionswirtin, die der Prüfer vor so langer Zeit fast eineinhalb Stunden durch alle Innen- und Außenbezirke gehetzt hatte und ihr am
Ende den Führerschein doch nicht hatte vorenthalten konnte.
In
den sechziger Jahren waren bei einigen Prüfern Schikanen durchaus an der Tagesordnung. Diese Praktiken sind genauso wie ihre Anwender mittlerweile entweder ausgestorben oder wenigstens pensioniert.
Ihr fröhliches Lächeln als sie mich sah, zeigte mir, dass sie mich sofort wiedererkannt hatte. Ihre rührende Wiedersehensfreude liess mein Innerstes in Bewegung geraten.
Eine ganze Weile drückte sie mich an ihr mächtiges Herz.
Obwohl ihre Pension ebenfalls überfüllt war, verfrachtete sie ihren Mann und sich selbst kurzerhand zum Schlafen in den Keller und wir drei Gesellen durften ihr Schlafzimmer
benutzen, in das sie noch ein Zusatzbett für den dritten Mann schob.
Vor dem Einschlafen hatten wir es uns angewöhnt, zusammen einen kleinen Schlummertrunk einzunehmen. Mit dieser Tradition wollten
wir selbstverständlich nicht ausgerechnet hier brechen. Während wir nun in fröhlicher Runde zusammen auf dem Doppelbett sassen, verschluckte sich Willi, einer meiner Kumpane plötzlich. Wild fuchtelnd zeigt er während seines Hustenanfalles zu einem Bild, das gegenüber der Fensterwand hing. Neugierig geworden stand ich auf und schob eine Blumenvase, die mir die Sicht verstellte, zur Seite. Ich konnte nicht glauben, was ich da sah.
Am nächsten Morgen beim gemeinsamen Frühstück mit den Wirtsleuten fragte ich Frau Henning, was das da oben über der Kommode zu bedeuten hätte. Und sie sagte:
„Wissen sie, Herr Hinrichs, zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mich seit meiner Prüfung nicht mehr ans Steuer eines Autos gesetzt habe. Ein paar Tage nach dieser
elenden Schinderei habe ich meinen Führerschein zum Rahmen gegeben und so hängt er halt jetzt dort oben - macht sich doch ganz gut, oder?"
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