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Die Pfütze
Jeder Fussgänger, der jahrelang die Gehsteige seiner Heimatstadt entlangschlenderte, kann ein Lied auf die Rücksichtslosigkeit der Autofahrer bei
Regen singen. Ob nun von oben
nach unten, oder umgekehrt, Hauptsache er ist auch einmal patschnass gespritzt worden. Wenn man dann eines Tages selbst hinter dem Steuer eines Autos sitzt, sieht das anders aus. Wasserlachen sind dann sehr schwer oder zu spät auszumachen. Durch den Gegenverkehr ist man ständig gezwungen, durch die Pfützen zu fahren, die sich bei Platzregen nicht selten zu kleinen Seen auswachsen. Wird jetzt auch noch schnell gefahren, ist es manchmal wegen des nachfolgenden Verkehres nicht mehr möglich, die Geschwindigkeit rasch genug herab- zusetzen, um Fussgänger zu schonen, wie es eigentlich angebracht wäre.
An einem feuchtwarmen Prüfungstag im Mai hatte sich in einer ziemlich schmalen Strasse eine mächtige Wassermasse
angesammelt. Und ausgerechnet an der kritischsten Stelle standen drei Frauen beisammen, die sehr angeregt miteinander plauderten. Nicht zwanzig Meter davor oder dahinter, nein, exakt auf gleicher Höhe mit der Pfütze. Seltsamerweise fuhr der Prüfer, was er sonst nicht machte, mit all' meinen Fahrschülern immer wieder die- selbe Strecke; und die führte uns jedesmal zu dieser Stelle. Bei jedem meiner Fahrschüler betete ich, dass diese Wasserfläche rechtzeitig erkannt würde. Ich wurde auch erhört, bis zu meinem letzten Prüfling an diesem Vormittag. Alle anderen hatten die Situation rechtzeitig erkannt und verlangsamten das Tempo soweit, dass das Wasser nur unwesentlich zur Seite plätscherte. Unsere Spritzer erreichten die Damen, denen schier unerschöpfliche Zeitreserven zur Verfügung zu stehen schienen, nicht. Der letzte aber, Freund Georg, fuhr ungebremst darauf zu. Verzweifelt verkeilte ich meine Beine im Fussraum unseres Autos und klammerte mich mit beiden Händen am Haltegriff der Türe fest, als liesse sich dadurch etwas ändern. Zwei Herzen begannen nun in meiner Brust den Kampf. Das eine focht für die drei durch- gestylten Ladies und das andere für meinen Schüler Schorsch, der während der Ausbildung
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