Doch dann hellten sich seine Züge schnell wieder auf.  Motorradfahren  war fast so gut wie Autofahren - und genauso schnell. Vielleicht war das sogar noch besser.

Bei den Prüfungen fuhr man damals fünf oder zehn Minuten hinter dem Fahrschulauto her, deshalb war auch diese Fahrt kein unlösbares Problem für ihn. Er konnte inzwischen sehr gut mit Krafträdern umgehen. Heute würde ich so etwas nicht mehr machen. Ausserdem wusste ich ja, dass er von seinen Eltern kein Motorrad bekommen würde.

Dann war auf einmal der grosse Augenblick für Fredl gekommen. Beinahe vier Jahre waren seit seinem ersten Besuch in meiner Fahrschule verstrichen. Die Ausbildung mit den anderen Fahrschülern war in der Folgezeit fast wie Urlaub für mich.

Das Training mit dem Auto zog sich dann verständlicherweise etwas länger hin als das mit dem Fahrrad, nämlich doppelt so lange. Mindestens 180  Fahrstunden und drei längere Verschnaufpausen hat es gedauert, bis Fredl reif für die Prüfung war. Mir war es unbegreiflich, wie sich jemand einen solchen Marathon leisten konnte. Da aber seine nächsten Verwandten sehr vermögend waren, unterliess ich es irgendwann, ihnen das Vorhaben ausreden zu wollen. Alle waren sie so versessen darauf, Fredl einmal hinter dem Steuer eines eigenen Wagens zu sehen; Mutter, Vater und natürlich Fredl  selbst - nur ich nicht.

Und doch sollte meine Doktorarbeit eines Tages ein Stadium erreichen, wo es zur Begutachtung angemeldet werden konnte.

Die Prüfungsfahrt  dauerte beinahe eine  Stunde.  Eigentlich machte er keinen schwerwieg- enden Fehler,  doch der Prüfer und ich hatten während der gesamten Fahrt feuchte Hände. Das begann bereits beim Motorstarten,  als er  beinahe den Zündschlüssel abbrach.  Verbis- sen umklammerte er ihn mit beiden Händen und zwang ihn immer weiter nach rechts, weil er in seiner Aufregung nicht hörte, dass der Motor bereits lief. Das grausame Geräusch des Anlassers,  dessen Ritzel uns jeden Augenblick um die Ohren  zu  fliegen  drohte,  hörte er nicht. Beim Rückwärtsfahren während des Einparkens wusste der Prüfer nicht mehr, wo er noch hinschauen konnte, um Fredl's Anblick entgehen zu können. Es war irritierend für ihn,

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