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Nach bestandener Prüfung
Diesen Augenblick, in dem wir endlich alleine fahren dürfen ohne dass uns dauernd jemand dazwischenfunkt, haben
wir lange herbeigesehnt; nun ist er da. Manche lassen es jetzt so richtig Krachen, nach dem Motto: Highlife, Konfetti. Sie vergessen alles in Rekordzeit, was sie sich zuvor so mühsam angeeignet
haben. Nach ein paar Wochen sind sie nicht einmal mehr Durchschnitt.
Autofahren, liebe Freunde, lasst euch das gesagt sein, ist ein Spiegel des Charakters.
Am Autofahren kann man erkennen, wie weit einer in seiner Persönlichkeitsbildung fortgeschritten ist. Leute, die noch keine so grossen Schritte in diese Richtung unternommen haben, stellen nicht selten eine Gefahr für die Mitmenschen dar; sie erscheinen regelmäßig in den Schlagzeilen der Tagespresse. Sie leben ihre Aggressionen im Strassenverkehr aus und terrorisieren andere Verkehrsteilnehmer mit dem Frust, der sich in Familie und Beruf aufgestaut hat. Oder sie versuchen zu beweisen, was für fabelhafte Kerle und perfekte Autofahrer sie schon sind. Nicht selten träumen sie von einer Karriere als Rennfahrer. Mit diversen Aufklebern und Rallyestreifen überall am Auto unterstreichen sie ihre Gesinnung. Sie haben noch nicht begriffen, dass sie jetzt erst ganz am Anfang stehen, dass der Schein in ihrer Hand nur die Erlaubnis ist, den Aufbau ihres Erfahrungsschatzes zu beginnen. Abgeschlossen wird dieser Prozess nie. Verkehrsexperten behaupteten einmal, dass man erst nach sieben Jahren ständigen Fahrens von sich behaupten kann, ein halbwegs sicherer Autofahrer zu sein.
Vielleicht kommt jetzt der Einwand: der Prüfer hat mir doch den Führerschein gegeben und damit bestätigt, dass ich Autofahren kann.
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