Das schon,  meine Freunde.  Ihr wisst nun,  wie man sich korrekt mit seinem Fahrzeug im Verkehr bewegt,  doch glaubt mir,  es war unmöglich, während  der paar Fahrstunden alle Verkehrs- Witterungs-  und Strassenverhältnisse  mit denen Ihr konfrontiert werden könnt, zu durchleben. Manche Fahrschüler sind schon berufsbedingt fast ausschliesslich zu Zeiten gefahren,  in  denen  kaum Verkehr herrschte.  Viele haben auch noch nie den Verkehr in grossen Städten erlebt. Sie haben noch nicht die Erfahrung gemacht, wie ein Auto reagiert, wenn Schnee und Eis die Fahrbahn bedecken.  Wie  können  sie  jetzt so vermessen sein, anzunehmen, dass sie fertige Autofahrer  sind.  Jetzt erst beginnt der Prozess,  der uns mit jeder Erfahrung -  ob positiv oder negativ -  ein Stück mehr Sicherheit bringt. Wer klug ist, versucht nun, da er den Führerschein besitzt, das Erlernte zu vervollständigen und zu per- fektionieren. Leider sind die Verlockungen, sich einfach gehen zu lassen, sehr gross. Es ist deshalb kein  Wunder,  dass die Mehrheit der Neulinge  dieser  Versuchung  unterliegt. Sie gehen lieber den leichteren Weg, der ihnen das Fahren vereinfachen soll.

Ich selbst war als junger Bursche leider ein Paradebeispiel für ein solch unreifes Früchtchen. Auch ich zählte zu jenen unbelehrbaren Heissspornen, die alle erlernten Regeln bei jeder sich bietenden Gelegenheit über den Haufen warfen. Immer wieder war ich anfangs in kleinere Blechgeplänkel verwickelt. Ich brüstete mich sogar damit, juristisch gesehen, keine Schuld gehabt zu haben. Dabei wusste ich sehr genau, dass ich durch defensives Fahren meinem Auto, und später auch meinem Geldbeutel eine Menge Ärger hätte ersparen können. Ich habe damals bei Crashs, die man mir anlastete, bitteres Lehrgeld zahlen müssen.

Es gab keine Veranlassung für mich, auf meinen Fahrlehrer zu hören, denn ich war ja selbst schon so gescheit. Was der mir ständig in die Birne laberte, wusste ich doch längst.

Später habe ich  für diese dumme Einstellung schwer gebüsst. Auch kam ich immer wieder mit jungen Leuten in Kontakt, in denen ich mich selbst wiedererkannte. Wenigstens fiel es mir nicht schwer, mit ihnen zurecht zu kommen, weil ich - wie gesagt - einmal einer von ihnen war.

Heute weiss ich allerdings auch, dass es ein Vorrecht der Jugend ist, stets alles besser zu wissen. Deshalb gilt mein Flehen den Schutzengeln, dass sie euch vor grösserem Schaden bewahren mögen. Achtet also immer darauf, daß ihr nicht schneller fahrt, als Euer Schutzengel fliegen kann.

Damals, als man mich auf den Verkehr losliess, sind Freundinnen und Freunde zwar bei mir mitgefahren, weil ich einen  Führerschein und ein Auto besass; aber erst später ist mir klar geworden, dass sie sich dabei alles andere als wohl gefühlt haben müssen. Ich bin froh, dass ich mir gerade noch rechtzeitig meiner Verantwortung den Freunden gegenüber bewusst geworden bin.

 

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