sie dann ihre Einstellung,  als sie einsah, wie weit sie mit ihrer Einschätzung daneben lag;  nachdem  sie  zusätzlich  das  ganze   Verständnis  für  die Verkehrsbewegungen  aufholen musste, das für andere schon vor ihrer Anmeldung in der Fahrschule eine Selbstverständ- lichkeit war.

Wie weit sie sich mit ihren  zwanzig  Fahrstunden vertan hatte, merkte sie spätestens,  als wir  etwa  nach  dieser  Zeit  zum ersten Mal ausserhalb geschlossener Ortschaft auf breit ausgebauter Strasse schneller als 30,  nämlich 50 km/h fuhren.  Ich hatte sie  aufgefordert, doch endlich einmal  ein bisschen  schneller zu fahren, schliesslich wollten wir nicht ständig selbst die langsamsten Fahrzeuge behindern.  Sie schaute  mich,  als der Zeiger endlich die 50 erreicht hatte, mit einem gehetzten Seitenblick an und sagte ganz außer Atem: "Mensch- enskinder, sie gehen aber ran, Herr Juris!"

Von da an ging es mit ganz  grossen Schritten  vorwärts  und sie bestand ihre erste Prüfung mit nicht mehr als 60 Fahrstunden. Jeder, der etwas davon versteht, weiss, was diese Dame Groassartiges geleistet  hat.  Selbst  der Prüfer konnte sich damals einem Kompliment nicht entziehen; und dazu lassen sich diese Herren nicht so schnell hinreissen.

Jedenfalls hatte sie das, was man Geduld nennt, rechtzeitig beherzigt und war gut damit ge- fahren.  Sie hatte erkannt, dass es sinnlos ist, sich bei einer solchen Ausbildung unter Druck zu setzen.

Oft  liegt  es  noch nicht mal an uns selbst,  wenn wir Probleme mit der Geduld haben,  als vielmehr  an  unserem  Umfeld.  Manche  "Freunde"  oder in vielen  Fällen sogar die Eltern und Geschwister setzen einem so zu,  daß dafür kein Platz mehr bleibt.  Gerade Eltern sind oft unvernünftig.  Sie haben zum Teil zu einer Zeit den  Führerschein  gemacht,  als es voll- kommen ausreichte,  wenn man während seiner Prüfungsfahrt  niemanden totfuhr.

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