Alle Sachverständigen mussten irgendwann solch' negative Auswüchse ihrer Bemühungen erleben,  deshalb  versuchen  sie so neutral wie irgend möglich zu erscheinen  und zu sein. Sie haben ein viel besseres Gefühl,  wenn  ein Prüfungskandidat locker und selbstbewusst zu Werke geht;  ihre  verkrampfte  Haltung entspannt sich dann augenblicklich. Ja, meine lieben Leser, auch die Prüfer sind oftmals verkrampft. Die Spannungen, denen ihr ausge- setzt seid,  übertragen sich auf  die  Mitfahrer,  genauso wie ihr es später erleben werdet, wenn ihr passiv bei anderen im Auto  sitzt.  Ihr bekommt ebenfalls feuchte Hände,  wenn ihr spürt,  wie  die Unsicherheit des Fahrers auf euch überspringt.  Es  macht  dann auch euch keinen Spaß, ständig die Handflächen am Hosenbein abtrocknen zu müssen.

Denkt also immer daran,  der Prüfer möchte euch gerne unterstützen,  und er tut das, in- dem er versucht,   sich vollkommen neutral zu verhalten.  Sollte er euch gegenüber etwas wortkarg  wirken,  dann  hat das absolut nichts damit zu tun, dass ihr ihm unsympathisch seid, oder dass ihn irgend etwas an eurem Erscheinungsbild stört.  Mittlerweile kann man auch guten Gewissens behaupten, dass sich alle Prüfer auf dem gleichen Niveau bewegen und dass besondere  individuelle  Marotten,  mit denen Sachverständige in grauer Vorzeit ihre Prüflinge peinigten, längst ausgerottet sind.

Damals badeten sich einige in dem Gefühl, dass sie zu den Auserwählten zählten und ver- hielten sich leider auch danach. Sie empfanden sich selbst als etwas ganz Besonderes und kamen  nicht  selten  mit  der Macht,  die man ihnen übertragen hatte,  nicht zurecht. Sie wussten  manchmal nicht, ob sie neben dem lieben Gott  oder vielleicht besser auf dessen Stuhl sitzen  sollten.  Heutzutage ist das ganz etwas anderes.  Prüfen ist zu einem Job ge- worden wie jeder andere auch.  Der Prüfer hat weder einen  Vor- noch Nachteil, wenn er den Führerschein einbehält.  Eher noch macht es sich für ihn nachteilig bemerkbar,  denn er hat dann mehr  Arbeit,  mehr Papierkram zu erledigen. Schon aus diesem Grunde gibt er  das  begehrte  Scheinchen lieber her, als dass er es wieder mitnimmt.  Man sollte aber auch  Verständnis  dafür  haben,  dass er ihn beim besten  Willen nicht überreichen kann, wenn er noch zu sehr um eure und die Sicherheit der anderen Verkehrsteilnehmer fürch-

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